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„Eine gerechtere Welt ist möglich!“

Schule Die Zeitzeugin des Krieges und des Völkermords in Bosnien und Herzegowina Mirsada Simchen-Kahrimanovic las vor Zehntklässlern der Maximilian-Lutz-Realschule aus ihrem biographischen Buch „Lauf, Mädchen, lauf!“ vor. Dabei forderte sie die jungen Menschen auf, sich aktiv für Frieden und Freiheit einzusetzen und an demokratischen Prozessen teilzuhaben.

Besigheim. Simchen-Kahrimanovic läuft viel. Jeden Morgen zeigt ihre Smartwatch 12 000 Meter an. Laufen bedeutet für sie, dass ihr Körper und ihre Seele frei sind. Und diese Freiheit ist für sie nichts Selbstverständliches. Mit gerade einmal dreizehn Jahren wurde sie im Jahre 1992 von Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee gefangengenommen und in das Konzentrationslager Trnopolje verbracht. Ihr Vater wurde wie alle Männer aus ihrer Heimatstadt Kozarac, die älter als sechzehn waren, erschossen. Im Lager erlebte sie, wie weitere Männer umgebracht und Frauen vergewaltigt wurden. Sie selbst verlor all ihre Zähne. Aufgrund einer Inspektion des internationalen Roten Kreuzes wurde sie freigelassen und ihr und ihrer restlichen Familie gelang mithilfe von Freunden und Verwandten über Kroatien die Flucht nach Deutschland.

Als Simchen-Kahrimanovic den Schülern im kleinen Saal der Alten Kelter diese grauenhaften Erfahrungen beschreibt und aus ihrem Buch vorliest, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Vielen war kaum bekannt, dass gerade einmal vor 32 Jahren ein so fürchterlicher Krieg auf dem Balkan tobte. Und auch jetzt gibt es wieder einen schrecklichen Krieg in Europa, der zur Flucht vieler Menschen nach Deutschland führt. Simchen-Kahrimanovic erzählt weiter, wie sie zuerst in Mannheim und später in Stuttgart wohnhaft wurde. Sie fand nur mühsam Anschluss in der Schule und lernte nachts im Bett deutsche Vokabeln. Heute liebt sie diese Sprache und ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie fordert die Jugendlichen auf, sich aktiv um geflüchtete Mitschüler zu kümmern und ihnen nicht das Gefühl zu geben, unerwünscht zu sein. Auch warnt sie vor einem Erstarken von extremistischen Meinungen in Deutschland, für sie sei das Land, dessen Staatsbürgerschaft sie mittlerweile innehat, immer ein Symbol für Freiheit und Toleranz gewesen. Zuletzt spricht sie über Vergebung: „Ich wollte nicht zulassen, dass der Hass, den ich in mir trug, mich auffrisst!“. Sie liest eine letzte Passage aus ihrem Buch vor. Am Grab ihres Vaters hält sie ein Zwiegespräch, in welchem sie ihm versichert, dass eine gerechtere, solidarische Welt möglich ist. Die Schüler hatten im Anschluss die Möglichkeit, viele Fragen zu stellen. Der stellvertretende Schulleiter Felix Kron zeigte sich sehr ergriffen von den Berichten der Autorin und dankte der Deutschlehrerin Lisa Jeuk für die Organisation der Lesung.

Felix Kron

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