
Am vergangenen Mittwoch, den 18. März 2026 sprach Kai Höss, der Enkel des ehemaligen KZ-Lagerkommandanten von Auschwitz Rudolf Höß, vor zwei neunten Klassen aus Besigheim im Grundbuchzentralarchiv in Kornwestheim darüber, was es bedeutet, mit einem Massenmörder verwandt zu sein und wie dieser Umstand sein bisheriges Leben prägte und beeinflusste. Zuvor sahen die Schüler den Dokumentarfilm „Der Schatten des Kommandanten“ von Daniela Völker aus dem Jahre 2024, der Kai Höss und dessen Vater Hans-Jürgen Höß u.a. dabei begleitete, eine Holocaustüberlebende und deren Tochter zu treffen. Der Film thematisiert die generationsübergreifenden Auswirkungen des Holocausts und zeigt eindrucksvoll auf, wie auch über 80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur der Schatten des Lagerkommandanten sowohl für die Nachfahren der Opfer als auch der Täter allgegenwärtig ist.
Auf Einladung des Leiters des Grundbuchzentralarchives Kornwestheim Michael Aumüller nahm die Klasse 9b gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Sebastian Stöckle und dem stellvertretenden Schulleiter und Geschichtslehrer Felix Kron an dieser besonderen Filmvorführung teil. Aktuell findet im Archiv eine Ausstellung über das elsässische KZ Natzweiler und seine Außenstellen in Baden-Württemberg statt, in deren Rahmen Kai Höss eingeladen wurde. Er stellte sich den Schülern zunächst vor und berichtete über die Entstehung der Dokumentation. Im Anschluss an die Vorführung stellte er sich den vielfältigen Fragen der jungen Menschen, die u.a. von ihm wissen wollten, wie und wann er von den abscheulichen Taten des Großvaters erfuhr und wie die Schuld dessen seinen weiteren Lebensweg beeinflusste. Zuletzt formulierte der heutige Pastor einer Freikirche seine Erwartungen an die Jugendlichen. Diese müssten die Demokratie beschützen und bewahren und sich dafür einsetzen, dass Auschwitz nie wieder möglich sei. Für die Schüler war dies eine sehr interessante und lehrreiche Veranstaltung, die mit Sicherheit mehr Fragen aufwarf als beantwortete.
Felix Kron











